2016-12-10
Salzburg

Naschparadies in historischer Kulisse

image 4 article

Salzburg habe ich bisher nur in den Sommermonaten erlebt, wenn meine Mutter mit ihrem Chor ein Konzert im Dom gab. Dieses Jahr nutzten wir einen frostigen, aber sehr sonnigen Wintertag unter der Woche, um die Christkindlmärkte dort unsicher zu machen. Die Buden sind ja überall recht ähnlich, ob man nun in München, Innsbruck, Wien oder Dortmund unterwegs ist. Den Unterschied macht das Ambiente – und das ist in Salzburg ganz zauberhaft. 

Weihnachtliche Stimmung stellte sich allerdings erst bei der Dämmerung ein, als sich die Stadt in ein Lichtermeer verwandelte. Am Domplatz sorgte ein Adventchor für musikalische Untermalung während wir uns nach einer riesigen Portion Apfel-Lebkuchen-Kaiserschmarrn einen Punsch genehmigten. Man sollte sich darauf einstellen, dass man den ganzen Tag fast nur Süßspeisen zu sich nimmt, denn die Auswahl an herzhaften Speisen ist eher mager, dafür die Vielfalt an Backwaren unschlagbar. 

Am schönsten fanden wir den Sternadvent mit Wintermarkt zwischen der Getreide- und Griesgasse mit viel Kunst und Handwerk in lauschiger Atmosphäre. Auch die Website ist sehr ansprechend gestaltet und bietet Rezepte für Lebkuchen und Glühwein sowie Bastel- und Dekotipps.

Kommentare
Name:
Web:

2016-12-07
Paris

Der Klang der Wahrheit

image 4 article

Ich habe mich schon immer gefragt, wer sich bloß für die ganzen Reality-Shows und Doku-Soaps interessiert, von denen es in den Fernsehprogrammen nur so wimmelt. Das Hörbuch „Nach einer wahren Geschichte“ von Delphine de Vigan könnte Aufschluss geben. Die Protagonistin heißt ebenfalls Delphine, ist Schriftstellerin und befindet sich in einer Schaffenskrise. In ihrem letzten erfolgreichen Buch, das vom Selbstmord ihrer Mutter handelt, gab sie zu viel preis und hat seitdem keine Zeile geschrieben. Ihr Leben erfährt eine Wende, als sie auf einer Party eine Frau kennenlernt, die sie fortan L. nennt.

Sie ist fasziniert von der hübschen und intelligenten Frau, die richtig Anteil an Delphines Leben und Krise nimmt. Das glaubt sie zumindest und lässt es zu, dass L. nicht nur in ihre Wohnung zieht und Aufgaben für sie übernimmt, sondern auch immer mehr Kontrolle über Delphines Leben gewinnt. L. ist Ghostwriterin für Prominente und gibt ihrer neuen Freundin zu verstehen, dass die Leser nicht an Fiktion, sondern an Geschichten mit Echtzeitszertifikat, am Klang der Wahrheit interessiert sind. Als Delphine allmählich begreift, welche Gefahr von L. ausgeht, reißt sie das Ruder herum.

Die Geschichte hat eine unglaubliche Sogkraft, allein durch die Verschmelzung zwischen Konstruktion und Inhalt. Beide Frauen beschäftigen sich mit den Grenzen zwischen Fiktion und Realität und experimentieren mit Erzählformen. Erst macht sich L. in Delphines Leben breit, um sie zu manipulieren, später taucht Delphine in das Leben von L. ein, um einen Roman über sie zu schreiben. Sie spiegeln sich zunehmend in der anderen Person und als Leser ist man sich nicht mehr sicher, ob es sich um zwei Identitäten handelt oder ob L. eine fiktive Figur, eine Wunschprojektion oder auch Delphines Gewissen darstellt. Martina Gedeck ist perfekt für die Rolle der Sprecherin und trägt durch ihren mal energischen, mal feinfühligen Ton einiges dazu bei, dass man sich in Delphines Gedankenwelt begeben und die beängstigenden und bedrohlichen Schwingungen mitfühlen kann.

Ich habe schon einige Bücher gelesen, die von Schriftstellern, ihren Krisen und dem Schreibprozess handeln, doch dieses ragt durch seine originelle Idee und experimentellen Umsetzung besonders heraus. Es wirft viele Fragen auf, zum Beispiel, was es heißt, mit der eigenen Geschichte in der Öffentlichkeit zu stehen oder wie viel Fiktion und Realität die Leser erwarten. Manche Biografien werden vielleicht erst lesenswert, wenn sie ein wenig ausgeschmückt werden. Dann fiel mir der Roman „Die Fotografin“ von William Boyd ein, der reine Fiktion ist, aber so authentisch erzählt wird, als hätte es die Figur Armory Clay tatsächlich gegeben. Delphine de Vigan hat auf jeden Fall alles richtig gemacht und mit ihrer spannend konstruierten und ausdrucksstark erzählten Geschichte, ob wahr oder unwahr, meine Erwartungen übertroffen. 

Kommentare
Name:
Web:

2016-12-04
Neapel

Die Brave und die Böse

image 4 article

Der Roman „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante gilt in Italien als Kultbuch. Der erste Teil einer vierteiligen Saga, die im Neapel der Nachkriegszeit spielt, ist nun auf deutsch erschienen und fand in der Presse viel Beachtung. Ich las trotzdem die englische Fassung „My brilliant friend“ und tauchte in das Armenviertel Rione ein, in dem die Ich-Erzählerin Lenù und ihre langjährige engste Freundin Lina aufwachsen. 

Seit der ersten Begegnung in der Grundschule ist die brave und schüchterne Lenù fasziniert von der unangepassten Schustertochter Lila, die überall aneckt. Obwohl die beiden so unterschiedlich sind, teilen sie ein gemeinsames Ziel: so schnell wie möglich dem Milieu zu entfliehen und ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Kein Wunder, denn die allerorts herrschende Gewalt und Brutalität sowohl in der Familie als auch zwischen rivalisierenden Clans bekommt der Leser permanent zu spüren. Prügel von den Eltern und Morddrohungen stehen an der Tagesordnung. Als Lila in eine höhere Schule möchte, wird sie von ihrem Vater sogar aus dem Fenster geworfen. 

Mal raufen sich die Freundinnen zusammen, lernen Latein und reden über schöne Verse, dann wieder entfremden sie sich oder konkurrieren gegeneinander. Ihre Höhen und Tiefen sind oft gegenläufig: Erlebt Lenù wahre Glücksmomente während eines Sommers auf Ischia, geht es Lina hundsmiserabel. Am Ende deutet sich an, welch gegensätzlichen Wege sie einschlagen werden: Lenù wird Schriftstellerin während Lina schon mit 16 Jahren einen Lebensmittelhändler heiratet.

Obwohl die Geschichte mit einem Cliffhanger endet, bin ich noch nicht sicher, ob ich die Fortsetzung lesen werde. Ich hätte mir weniger Chronik und mehr Reflexionen über Bildung und Freundschaft gewünscht – etwa wie in dem Entwicklungsroman „Der Distelfink“ von Donna Tartt, in dem mich die Freundschaft zwischen den zwei Hauptfiguren und ihre Entwicklung deutlich mehr bewegt hat. 

Kommentare
Name:
Web:

2016-12-01
München

3 Jahre – 257 Orte

image 4 article

Heute feiert YukBook seinen dritten Geburtstag! 

60 neue Schauplätze konnte ich live oder durch Romane, Kurzgeschichten, Filme, Ausstellungen und kulinarische Genüsse ‚bereisen’. So verschlug es mich unter anderem nach Peking, Damaskus, Stockholm, Honolulu und Philadelphia. 

Das waren meine Highlights im vergangenen Blogjahr:
Der aufregendste Städtetrip: Montpellier
Der stärkste Roman: ‚Porträt einer Ehe’ von Robin Black
Der beste Film: ‚Spotlight
Die beeindruckendste Ausstellung: ‚Wunder der Natur’ im Gasometer Oberhausen
Das schönste Lokal: Mongkok in München
Das leckerste Frühstück: Café Dinzler in Irschenberg

Ich danke Euch ganz herzlich für Eure Treue und freue mich auf viele neue Geschichten und Abenteuer mit Euch im kommenden Jahr.

Kommentare
Name:
Web: