2018-01-16
Alaska

Gewagte Expedition

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Es gibt Regionen, über die ich lieber lese als sie selbst zu bereisen. Dazu gehört zum Beispiel Alaska. Wie gut, dass es Romane wie "At the bright edge of the world" („Das Leuchten am Rand der Welt“) von Eowyn Ivey gibt, die uns auf eine abenteuerliche Reise mitnehmen – in diesem Fall sogar auf eine ziemlich beschwerliche. Colonel Allen Forrester geht im Jahr 1885 im Namen der US-Armee auf eine Expedition, um den Wolverine River in Alaska zu erforschen. Seine ebenfalls naturbegeisterte Frau würde ihn zu gern begleiten. Sie ist jedoch schwanger und muss in der amerikanischen Garnison Vancouver zurückbleiben.

Was Allen und Sophie während der langen Zeit der Trennung erleben, erfahren wir aus ihren Tagebucheinträgen. Die Texte sind sinnlich und emotional so aufgeladen, dass man sich den Figuren sehr nahe fühlt, Sophie vielleicht noch ein wenig mehr als Allen. Gemeinsam mit dem Expeditionsteam lernen wir die Kultur, Lebensumstände und den Aberglauben der Ureinwohner kennen und erleben die Natur von ihrer atemberaubend schönen, aber auch kräftezehrenden Seite kennen. Nach der Beschreibung mehrerer lebensbedrohlicher Situationen tut es richtig gut, wieder einen Blick nach Vancouver zu werfen, wo Sophie sich immer mehr für die Naturfotografie begeistert. Das junge Ehepaar verbindet nicht nur ihre starke Liebe, sondern auch ihre Leidenschaft für die Natur und ihre Hingabe und Ausdauer bei ihren Projekten.

Abgerundet wird die Geschichte durch Zeitungsberichte über die Expedition, Fotografien und starke Nebenfiguren wie Sophies Dienstmädchen Charlotte und Freundin Evelyn. Das ganze bettet Eowyn Ivey wiederum geschickt in eine Rahmenhandlung, aus der hervorgeht, dass Walter Forrester den Nachlass seines Großonkels dem Museum in Alpine, Alaska zur Verfügung stellen möchte. Die Tagebücher von Allen und Sophie sind sicher nicht nur ein historisch bedeutendes Zeitdokument, sondern auch Ausdruck einer Liebe, die sich weder durch räumliche Trennung und noch durch schwere Schicksalsschläge erschüttern lässt.

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2018-01-13
Lissabon

Für die kleine Reise zwischendurch

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In meinem Blog entführe ich Euch gerne zu verschiedenen Schauplätzen von Erzählungen und Romanen. Bettina Querfurth nennt diese Orte „Sehnsuchtsorte“ und hat sie in ihrem gleichnamigen Buch alphabetisch sortiert. Ihre ‚Reise‘ beginnt mit der Abtei in den Hängen des Apennin, Schauplatz von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ und endet mit dem Zweistromland, wo Enheduanna, Oberpriesterin des Mondgottes im Jahr 2350 vor Christus, Hymnen verfasste.

Dazwischen begegnen wir vielen namhaften Persönlichkeiten wie Marcel Proust, der ausführlichst über seine Kindheit in der Stadt Combray (die eigentlich Illias heißt und bei Chartres liegt) schrieb oder Honoré de Balzac, für den seine „Comédie Humaine“ realer war als die Wirklichkeit. Es gibt ein kurzes Wiedersehen mit den Kindern von Bullerbü, mit der Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger oder mit Silvia Beach, die die Buchhandlung „Shakespeare & Company“ gründete. Interessant ist, dass nicht nur Schauplätze, sondern auch Entstehungsorte von Geschichten vorgestellt werden: zum Beispiel das Café Nicolson’s in Edinburgh, wo Joanne K. Rowling ihre Harry Potter Romane verfasste oder Sanary-sur-mer, ein Fischerdorf an der Côte d’Azur, wo deutsche und österreichische Schriftsteller Exilliteratur schrieben.

Manche Anekdoten sind eher Appetizer, die Lust machen auf mehr. So hätte ich gern mehr erfahren über das Café Bräunerhof in Wien, in dem der Schriftsteller Thomas Bernhard und seine Protagonisten in „Holzfällen“ viel Zeit verbrachten. Ein schönes Nachschlagewerk, um neue Reiseziele oder interessante Buchtitel für das neue Jahr zu entdecken.

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2018-01-10
München

Ganz und gar nicht zickig

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Frühstückscafés gibt es in Haidhausen jede Menge. Parkplätze leider nicht. In der Hoffnung, dass die Lage unter der Woche etwas besser aussieht, beschlossen wir, einen gemeinsamen freien Tag im Café ZimtZicke in der Elsässer Straße zu starten. Und wir hatten Glück: Wir fanden nicht nur auf Anhieb einen Parkplatz, sondern auch einen freien Tisch direkt am Fenster. Das scheint dort gar nicht so einfach zu sein, denn das Café ist sehr klein, und sogar werktags waren alle Tische belegt. Aber gerade das ist das Besondere an dem Ambiente: Man kommt sich vor wie in einem privaten Wohnzimmer, das urgemütlich eingerichtet ist. Die Wände sind voll mit witzigen Deko-Figuren, Bildern und Hirschgeweih, das Mobiliar ein bunter Stilmix aus Holz, Plüschsofa und tiefen Sesseln, die zum Hineinlümmeln einladen.

Nach einem Blick auf die Frühstücksmenüs war die Wahl schnell getroffen: Ein Bonnie- & Clyde-Frühstück passte genau zu unserer Stimmung. Nicht, dass wir einen Banküberfall geplant hätten – der Name weckte einfach unsere Abenteuerlust. Aber nicht nur das: das Frühstück für Zwei eignete sich am besten, um von allem ein bisschen zu probieren: Käse, Schinken, Lachs, Birchermüsli mit Früchten und Pancakes mit Ahornsirup. Damit waren unsere Vorlieben ganz gut abgedeckt. Das alles wurde sehr ansprechend auf einem Etagère serviert und schmeckte köstlich. Das Café ist der ideale Ort, um sich für einen kalten Wintertag zu stärken.

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2018-01-07
Shanghai

Filmreife Lebensgeschichten

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Zufälligerweise habe ich das Buch „Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück“ genau an Silvester gelesen, an dem auch die erste Erzählung beginnt. Der 18-jährige Leonhard verbringt diesen Tag ganz unspektakulär. Seine Eltern sind nach Belgien gefahren, und er macht sich einen Topf Nudeln und hängt seinen Gedanken nach. Als Leser hat man jedoch schon eine Vorahnung, dass gleich etwas Ungewöhnliches passieren wird. Und so kommt es auch: Am nächsten Morgen liegt eine wildfremde Frau in der Diele.

Das ist ganz typisch für die elf Erzählungen von Judith Kuckart. Es liegt etwas in der Luft und man ist nur einen Hauch davon entfernt, eine positive oder negative Überraschung zu erleben. „Was für ein Vorrat an Leben liegt in der Luft“, heißt es einmal und bringt die Hoffnungen und Sehnsüchte der Figuren zum Ausdruck. An Fantasie mangelt es ihnen dabei wahrlich nicht. Als Leonhard für seinen unerwarteten Gast einen Koffer aus dem Schließfach holt, kommt er sich vor wie in einem Krimi. Auch die pensionierten Lehrerinnen Maria und Emilie, die jedes Jahr zu einer Kur nach Tschechien fahren, lassen sich gern zu Träumereien verleiten. Schon eine Kleinigkeit wie ihren Taxifahrer in Stuttgart, der „so schön ist, dass man ihn vertonen müsste“, Ali Baba zu nennen, verleiht ihrem Leben ein wenig Nervenkitzel.

Judith Kuckart erwähnt immer wieder das Kino und zitiert Filme, so als ob sie die Grenzen zwischen fiktiven und realen Geschichten aufweichen wollte. Tatsächlich sorgen aufregende Begegnungen und Wendungen in Dresden, Stuttgart, Costa Brava oder Shanghai für Szenen, die durchaus filmreif sind. Auch der Polizist Sven kann den Verheißungen, die die Schuhverkäuferin Marilyn verkörpert, nicht widerstehen. Und Karl erlebt nach einer Affäre in Shanghai eine unerwartete Wende in seiner Ehe. Kuckart hat ein interessantes Konstrukt aus verschiedenen Episoden geschaffen, in denen sich die Wege der Figuren kreuzen. Nicht alle Geschichten haben mir gleich gut gefallen, doch ihr ganz eigener Sprachstil und die Art und Weise, wie sie die Glückssuche der Figuren schildert, faszinieren.

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2018-01-04
Köln

Antrag auf ein neues Leben

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Es gibt Menschen, für die ist die Firma das zweite Zuhause. Aber was wäre, wenn es ihr einziges ist? So wie bei Albert Glück, Protagonist des Romans „Das Glücksbüro“ von Andreas Izquierdo. Der Vollblut-Beamte hat sich im Keller eines Amtes für Verwaltungsangelegenheiten häuslich niedergelassen und das Gebäude seit 30 Jahren nicht verlassen.

In seinem abgesteckten kleinen Spielfeld fühlt er sich wohl und führt seine Arbeit mit großer Sorgfalt und Hingabe aus. Schwierig wird es, wenn er mit etwas Unbekanntem konfrontiert wird – zum Beispiel mit dem Formular E45, das es nicht geben dürfte, das zudem nichts beantragt und zum wiederholten Male auf seinem Tisch landet. Gezwungenermaßen begibt er sich auf die Suche nach der Antragstellerin und lernt so die Künstlerin Anna Sugus kennen und lieben. Sie stellt sein Leben völlig auf den Kopf und bringt immer mehr Farbe in seinen tristen Alltag. Durch sie erkennt er, dass hinter den Formularen, die er Tag für Tag höchst effizient abarbeitet, Menschen mit individuellen Sorgen und Nöten stecken. Und Albert ist der Einzige, der sich im Paragrafendschungel so gut auskennt, dass er ihnen helfen und ein wenig Glück in ihr Leben bringen kann.

Wer schon einmal in einem Unternehmen gearbeitet hat, wird einiges wiedererkennen, zum Beispiel die typischen Sticheleien unter Kollegen, der pünktliche Run in die Kantine oder der Sektumtrunk, der täglich in irgendeiner Fachabteilung stattfindet. Diese kleinen Seitenhiebe hat der Autor in eine äußerst charmante und herzerwärmende Geschichte verpackt. Sie zeigt, dass man sich aus Angst oder Bequemlichkeit in sein Schneckenhaus zurückziehen oder sich hinaus trauen, Anteil am Schicksal anderer nehmen und Positives bewirken. Andreas Izquierdo, der in Köln lebt, hat ein wundervolles Buch voller Humor und Poesie über die Liebe und Menschlichkeit geschrieben.

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2018-01-01
Los Angeles

Frohes Neues Jahr!

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2018 ist das Jahr, in dem Euer Traum wahr wird! Solltet Ihr noch Zweifel haben, schaut Euch am besten den amerikanischen Film „La La Land“ an. Als er im Kino lief, war ich skeptisch, ob mir das Musical gefallen würde. Ich entdeckte den Film dann zufällig auf Amazon Prime und bin jetzt noch ganz hin und weg.

Die Hauptfiguren Mia und Sebastian verlieben sich ineinander, weil sie beide leidenschaftlich ihren Traum verfolgen: Mia will als Schauspielerin nach etlichen erfolglosen Castings endlich auf der Bühne stehen, der Jazz-Pianist Sebastian träumt von einem eigenen Jazz-Club. Die Story mag simpel klingen, doch in diesem Film stimmt einfach alles: die Chemie zwischen Mia und Sebastian, gespielt von Emma Stone und Ryan Gosling, ihre Gesangs- und Tanzperformance, die Dramaturgie und die Message 'Gib’ niemals deinen Traum auf'. Dem Filmemacher Damien Chazelle gelingt die Balance zwischen starken Emotionen und Romantik einerseits und der harten Realität einer Künstlerkarriere andererseits mit all ihren Idealen, Kompromissen und Opfern. Die in satten Farben getauchten Bilder von L.A. voller Nostalgie und die melancholische Musik von Justin Hurwitz wirken noch lange nach.

Möget Ihr auch so schwungvoll und leichtfüßig in das neue Jahr starten wie Mia und Sebastian und Euch trauen, nach den Sternen zu greifen. In diesem Sinne ein wundervolles, erlebnisreiches 2018!

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